Valsight-Consultants drücken die Schulbank: Ein Gespräch über gute und gruselige Seminare und eine Botschaft an die nächste FP&A-Generation

Martin Faust, Head of Customer Success und Julius Koch, Consultant. Mit der SaaS-Lösung von Valsight können Controlling-Verantwortliche Szenarien in Echtzeit simulieren. Studierende sollten das Szenario „Präsenzveranstaltung“ aber besser nicht simulieren.

Julius und Martin haben schon eine Weile keine Hörsaalbank mehr gedrückt. Julius, bei Valsight als Consultant unterwegs, ist nach gut zwei Jahren im Beruf noch am nächsten dran, für Martin, Mitgründer von Valsight liegen die letzten Vorlesungen am HPI schon ein paar Tage länger zurück.

Jetzt drehen sie die Zeit zurück und den Spieß um – und besuchen nochmal ihre alten Wirkstätten. Naja. Fast:

Mit einer Vortragsreihe und Seminaren an verschiedenen Hochschulen richten sich beide an die nächste Generation der Controlling- und Finance-Experten. Unter anderem an der FAU Erlangen-Nürnberg oder der ESB in Reutlingen finden noch in diesem Semester Kurse statt, in denen Martin und Julius die Praxis dessen demonstrieren, was als Agiles Performance Management bisher noch oft einen reinen Buzzword-Charakter hat. In Kooperation mit Prof. Avo Schönbohm fanden bereits im vergangenen Oktober mehrere Kurse mit Valsight-Input zur Digitalen Transformation des Controllings an der HWR Berlin statt – und schienen gut anzukommen.

Was soll das eigentlich? Ein leicht zu durchschauender Versuch der Anbiederung bei der nachwachsenden Zunft? Oder vermissen sie einfach die Uni-Luft? Fragen wir die beiden einfach selbst.

Martin, an welches Seminar erinnerst du dich immer noch mit Freude?

Martin Faust: Tatsächlich an sehr viele – am HPI gab und gibt es sehr viele gute Veranstaltungen, in kleinen Gruppen und mit sehr guten Dozenten. Ein paar Erinnerungen: Mein erstes Seminar war das so genannte studienbegleitende Seminar – die Leitung hat damals Gero Decker übernommen, heute CEO bei Signavio. Dort habe ich auch Valsight-Mitgründer David kennengelernt! Eine andere Veranstaltung, an die ich mich immer gern erinnere, behandelte die Grundlagen digitaler Systeme – eine großartige Vorlesung über all die kleinen Transistoren, Schaltkreise und Gatter, die einen Computer so ausmachen – und all das wurde nahezu vollständig mit dem Overhead-Projektor erklärt. Eine Referenz darauf findet sich auch heute noch in jeder Valsight Basisschulung 😉.

Ich hatte auch die Gelegenheit einige Seminare zu leiten – mir gefiel immer die Energie, mit der die Studenten an die Problemstellungen herangegangen sind – und wie in teils kürzester Zeit praxistaugliche Lösungen entwickelt wurden.

Zurück zur Uni? Der Campus des Hasso Plattner Instituts in Potsdam ist richtig schön - aber das Valsight-Office schließlich auch!

Das Hauptgebäude des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. Schön da. Aber das Valsight-Office ist auch nicht schlecht!

Und was gruselt dich noch immer? 

MF: Wie viel ich seinerzeit für Theoretische Informatik 2 büffeln musste!

Du hast am HPI IT-Systems-Engineering studiert und am Lehrstuhl von Prof. Plattner Unternehmensanwendungen auf In-Memory Datenbanken untersucht. Gibt es etwas, was du dir von deinem alten Institut wünschst?

MF: Ich habe meine Zeit am HPI sehr genossen! Jeder kannte jeden – es ging sehr familiär zu. Seit meinen ersten Vorlesungen 2006 ist das Institut stark gewachsen – worüber ich mich sehr freue! Ich hoffe, dass die familiäre Atmosphäre auch weiterhin Bestand hat.

Julius, bei dir ist’s noch nich so lang her – in deiner Vorstellung-in-3-Zahlen hast du von deinem Aufenthalt an der UDESC in Florianopolis, Brasilien berichtet. Was muss ein Seminar/eine Vorlesung deiner Meinung nach bieten, damit etwas hängenbleibt?

Julius Koch: Es sollte spannend und lebendig vorgetragen werden. Ich denke, kein Thema wird interessierte Zuhörer haben, solange es langweilig vorgetragen wird. Neben der Verpackung finde ich Seminare spannend, die eine gewisse Relevanz haben, das heißt: die aktuell sind und zukunftsorientiert.

Eines der Hauptgebäuder der UDESC im brasilianischen Florianopolis. Mehr Brutalsimus und Neues Bauen hier. Dafür aber auch mehr Palmen und Strand!

Eines der Hauptgebäuder der UDESC im brasilianischen Florianopolis. Mehr Brutalsimus und Neues Bauen hier. Dafür aber auch mehr Palmen und Strand!

Martin, Julius, natürlich demonstriert ihr den nachrückenden Generationen von Controllern auch unser Produkt Valsight – das wird sich ja kaum vermeiden lassen. Aber was ist die Botschaft, die ihr den Studierenden in euren Seminaren an der HWR, der FAU, der ESB und so weiter mitgeben wollt?

JK: Finance und Controlling gelten als angestaubt. Aber das ist nur das Image. Es gibt spannende Möglichkeiten im Controlling zukunftsgerichtet zu handeln und mit den eigenen Entscheidungen die Fahrtrichtung von Unternehmen positiv zu beeinflussen.

MF: Mit frischen Ideen im Gepäck in die Unternehmen zu gehen und sich nicht von „Das haben wir schon immer so gemacht“ einlullen lassen.

Mit der ESB ist ja eine anerkannte Kaderschmiede – unter diesen allerdings eine Art Hidden Champion – unter den Vortragsstätten. Muss man an eine Elite-Uni gehen, um im Controlling eine Chance zu haben?

JK: Nein. Bei unseren Kunden sitzen uns gelernte Banker und Steuerberater ebenso gegenüber wie VWL-ler oder BWL-ler. Außerdem auch Mathematiker oder Naturwissenschaftler, die irgendwie in der Unternehmenssteuerung gelandet sind.

MF: Tatsächlich überhaupt nicht. Wir sehen eine Vielzahl von Karrierewegen. Bei uns, an der Schnittstelle von Controlling und Digitalisierung sowieso: Bei Valsight arbeiten Developer, BWL-ler und Kulturwissenschaftler gemeinsam an der digitalen Finance-Transformation.

Man will von Abschlüssen bestimmter Elite-Hochschulen Rückschlüsse auf Fleiß, Organisationstalent oder auch die kognitiven Fähigkeiten der Absolventen schließen. Teilweise geht das auch: Wer an einer Elite-Uni Wirtschaft studiert, wird wahrscheinlich gute Mathe-Noten gehabt haben. Aber klar: Abschlüsse können auch beeindrucken, ohne dass sie die Menschen automatisch interessanter machen. Und sie sind keine Garantie dafür, dass der Bewerber ins Team passt. Bei Valsight selbst können wir es uns daher nicht erlauben, Abschlüssen eine höhere Bedeutung zuzusprechen als, sagen wir mal: dem Team-Fit.

Außerdem: Es sollte sich aber längst herumgesprochen haben, dass nicht jeder die Möglichkeiten hat, fürs Studium in eine andere Stadt oder ein anderes Land zu ziehen, um sich dann dort ausschließlich auf die Uni zu konzentrieren.

Worauf kommt es an, worauf achtet ihr denn bei Bewerbern? 

MF: Wichtig ist, dass wir das Gefühl haben: Hier ist ein interessierter Mensch mit Problemlösungskompetenz. Ein guter Abschluss ist – zugegeben – häufig ein guter Hinweis hierauf.

Valsight entwickelt und vertreibt ein komplexes Produkt für komplexe Anwendungsfälle in einer komplexen Branche – und wir adressieren eine heterogene Zielgruppe: User und Entscheider, von Young Professionals bis altgediente Haudegen.

Es braucht Verständnis dafür, wie die Zielgruppen ticken, was die Herausforderungen jeweils sind (auch die unausgesprochenen!) und welche Prozesse vielleicht erst angestoßen werden müssen, damit alle Seiten am Ende mit einem Erfolgserlebnis ins Wochenende gehen können.

Wachsamen Auges und mit echtem Interesse durch eine solche Gemengelage zu stapfen, Chancen, Risiken und Herausforderungen abzuwägen und lösungsorientiert und kultursensibel Wege zu finden, das sind Qualitäten, die wir schätzen.

Vielseitige Interessen, interessante oder im ersten Moment sogar abwegig wirkende Nebenjobs bis hin zu kuriosen Stationen im Lebenslauf können Hinweise darauf sein, dass sich Bewerber mit ihrer Umwelt, den Menschen um sich herum und verschiedenen Klientelen auseinandergesetzt haben und sich in einem dynamischen Umfeld zurechtfinden können. Wie sagt man: Hire for attitude – train for skills!

Inspirieren, Horizonte erweitern und Brücken bauen: Das sind die Aufgaben der Initiative Young Finance Professionals.

Mit den Young Finance Professionals haben wir ja zusammen mit dem ICV eine Initiative gegründet, die sich dediziert an Leute richtet, die wahrscheinlich bald ihre Hochschulabschlüsse in der Tasche haben. Warum sollten die sich dafür interessieren?

JK: Für Controller/-innen, die schon länger im Berufsleben stehen, gibt es eine Menge Möglichkeiten, sich fachlich weiterzubilden. Aber die sind oft eben auf eine längere Berufserfahrung zugeschnitten oder allein schon dank der hohen Kosten für Young Professionals und Studierende nicht immer zugänglich. Damit fehlt auch die einfache Möglichkeit, sein berufliches Netzwerk außerhalb des eigenen Unternehmens zu erweitern und sich so neue Perspektiven zu schaffen. Diesen Umstand ändern wir – dafür gibt es diese Initiative von und für Young Finance Professionals.

Das erklärte Ziel ist es, Berufseinsteigern, jüngeren Berufstätigen und Studierenden die Chance zu geben, die eigene Weiterbildung und Karriereentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Wir bieten eine Plattform, auf der sich Interessierte in unterschiedlichen Formaten austauschen können.

Übrigens ist das auch andersherum spannend: Im Mentoring-Programm geben Berufserfahrene im ja nicht nur Ihre guten Ratschläge weiter, sondern bleiben im besten Fall selbst am Puls der Zeit, lernen neue digitale Kanäle oder Innovationen kennen, zu denen sonst nicht so viele Berührungspunkte existieren, oder kommen mit einer anderen Denke in Kontakt oder Konfrontation. Das kann fruchtbar sein.

Die Simulation von (What-If-)Szenarien ist eine der wichtigsten Kernpunkte der Valsight-Plattform. Man simuliert die Zukunft des Unternehmens für verschiedene denkbare Fälle.  Wie war das bei euch persönlich? Hättet ihr gern mal eine What-If-Simulationssoftware gehabt, um die nächsten Schritte zu simulieren, bevor ihr sie gegangen seid?

MF: Das eigene Leben sollte man da vielleicht nicht zu betriebswirtschaftlich betrachten – lieber tun und bereuen, als nicht tun und bereuen!