Top Trends in der Unternehmenssteuerung

„Industrie 4.0“ – „Internet of Things“ und „KI“. Zu Zeiten der Digitalisierung wird viel mit diesen oder ähnlichen Stichwörtern jongliert, tagtäglich werden neuste Innovationen vorgeführt und aktuelle Trends definiert. Auch vor der Unternehmenssteuerung macht dies nicht Halt. In diesem Blogbeitrag werden drei aktuelle Trends vorgestellt und der konkrete Nutzen für die Unternehmenssteuerung analysiert.


1. Fokussierte Unternehmenssteuerung durch die Multi-Level-Architektur

Die Digitalisierung sorgt dafür, dass KPIs mittlerweile sehr detailliert analysiert werden können. Die Multi-Level-Architektur soll es ermöglichen, die richtige Auswahl an KPIs zu treffen. Hierzu wird das Unternehmen in drei Ebenen eingeteilt, in denen jeweils andere Schwerpunkte gesetzt werden:[1]

Abb. 1: Multi-Level-Architektur in der Unternehmenssteuerung, basierend auf: Georg Aholt, „Unternehmenssteuerung mit KPIs und Kennzahlen: Denken Sie an die drei Ebenen!“, in: intelligence, online veröffentlicht am 16.04.2019, URL: https://bit.ly/2NUesc2, Stand: 07.11.2019.

Level 1: Geschäftsführung, Vorstand, Shareholder
Hier liegt der Fokus auf den KPIs, die entscheidungsrelevante Informationen für das Management enthalten: sogenannte Top-KPIs. Die Kriterien für Top-KPIs sind: „Entscheidungsrelevanz, Werttreiber des Geschäftsmodells und strategische Bedeutung“.[2] Es empfiehlt sich im Sinne einer klaren Unternehmensstrategie, nicht mehr als acht Top-KPIs auszuwählen.

Level 2: Fachbereichsebene
Diese Ebene konzentriert sich auf spezifische KPIs, die für den jeweiligen Fachbereich – wie Marketing, Vertrieb oder Finance – relevant sind. Dadurch können die Fachbereiche entsprechend für sie relevante Taktiken und Maßnahmen entwickeln.

Level 3: Operative Ebene
Auf der operativen Ebene geht es um die Erfassung und Speicherung der Daten durch IT-Systeme, sodass Analyse-Lösungen Auswertungen schnell vornehmen können. „Dann lassen sich Effekte nachweisen – und die Effizienz von Maßnahmen.“[3]

Diese Unterteilung ermöglicht neben der Konzentration auf entscheidungsrelevante Informationen vor allem die konsistente Unternehmenssteuerung, da Kennzahlen und KPIs sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene gegliedert und so unwichtige Details aussortiert werden können.[4]

2. Konsistente Unternehmenssteuerung durch moderne ERP-Systeme

Ein weiterer Trend sind moderne ERP-Systeme (Enterprise-Resource-Planning). Ein ERP- System zeichnet sich dadurch aus, dass alle relevanten Informationen in einem System gesammelt werden. Das Konzept an sich ist bekannt und wird in großen Unternehmen schon lange umgesetzt, jedoch entwickeln sich natürlich auch diese Systeme weiter.[5]
„Moderne ERP-Systeme sind in der Lage, automatisiert Workflows vorzubereiten und Prozesse einzuleiten. Und sie bilden die Schnittstelle zu Kunden, Lieferanten und Partnern.“[6] Die aktuellsten ERP-Systeme sind meistens von der 2. Generation, welche auf einer Webarchitektur basieren und im Gegensatz zu vorherigen Systemen ebenfalls Customer Relationship Management und Supply Chain Management beinhalten. So ermöglichen sie das Bearbeiten von internen sowie externen Prozessen.[7]

Was früher nur für Konzerne in Frage kam, wird durch die einfachere Benutzung der ERP-Systeme nun auch für Kleinunternehmer und kleinere Mittelständler interessant, da mittlerweile beispielsweise auch die Nutzung von Cloud ERP-Systemen möglich ist. Dennoch ist eine Einführung immer noch mit hohen Kosten verbunden. Ebenso gestaltet sich die Integration von Fremdsystemen, die Schulung der Mitarbeiter und die Wartung der ERP-Systeme aufwändig.[8]

Nach der Überwindung dieser Herausforderungen bedeutet die Benutzung eines ERP-Systems jedoch Vermeidung von Inkonsistenzen, die Optimierung der Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg und eine erhöhte Automatisierung zur Kostensenkung.[9]

3. Transparente Unternehmenssteuerung durch Szenario Simulation

In der Studie „Vom Trend zur Realität – Wie CFOs die Digitalisierung meistern“ von Horváth & Partners aus dem Jahr 2019 wurden 160 Finanzverantwortliche zu digitalen Trends und deren Umsetzung im Unternehmen befragt. Dabei gaben 69% der Befragten an, dass sie der Szenario Simulation zur Transparenz von Risiken eine hohe Bedeutung zurechnen, wiederum 38% der Befragten verwenden diese bereits konkret.[10]

Insbesondere neue Technologien wie In-Memory-Datenbanken und Predictive Analytics ermöglichen eine moderne Szenario Simulation. Standardmäßig werden Best Case-, Worst Case- und Realistic Case-Szenarien erarbeitet, um möglichst alle denkbaren Tendenzen vollständig aufzuzeigen. Erstellt werden können diese Szenarien sowohl für das gesamte Unternehmen als auch für einzelne Geschäftsbereiche.[11]

Um erfolgreich Szenarien simulieren zu können, empfehlen sich häufig neue Ansätze in der Planung, wie die treiberbasierte Planung. Viele Unternehmen konnten den Übergang zwischen dem alten und neuen Ansatz reibungslos gestalten, indem sie zunächst ein Pilotprojekt durchgeführt haben. Dadurch konnten auch die Mitarbeiter erste Erfahrungen sammeln.
Bereits in ersten Projektphasen überzeugt die Szenario Simulation die meisten Anwender mit der gesteigerten Flexibilität in der Planung. Sie ermöglicht eine ad hoc Bewertung zukünftiger Entwicklungen sowie deren Auswirkung. So kann die Transparenz in der Unternehmenssteuerung deutlich erhöht werden und schlussendlich bessere Entscheidungen durch das Management getroffen werden.

Fazit

Die Top Trends in der Unternehmenssteuerung verdeutlichen, dass insbesondere die effektive Verarbeitung von Daten eine große Rolle spielt. Die große verfügbare Menge an Kennzahlen kann Unternehmen schnell überrollen, weswegen Fokussierung und Strukturierung immer wichtiger werden. Die größte Herausforderung ist, den richtigen Einsatz der richtigen Zahlen auszuarbeiten. Erst dann bringt die Digitalisierung den gewünschten Mehrwert in der Unternehmenssteuerung.


[1] Konzept basierend auf: Georg Aholt, „Unternehmenssteuerung mit KPIs und Kennzahlen: Denken Sie an die drei Ebenen!“, in: intelligence, online veröffentlicht am 16.04.2019, URL: https://bit.ly/2NUesc2, Stand: 07.11.2019.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda.

[4] Vgl. Ebenda.

[5] Vgl. Martin Hinrichs, „ERP-Systeme als Datendrehscheibe“, in: it-daily.net, online veröffentlicht am 05.11.19, URL: https://bit.ly/33rOG59, Stand: 07.11.19.

[6] Ebenda.

[7] Vgl. „Wozu benötigt man ein ERP-System?“, in: erp-system.de, URL: https://www.erp-system.de/, Stand: 07.11.19.

[8] Vgl. Ebenda.

[9] Vgl. Ebenda.

[10] Vgl. Deborah Nasca, „Datenqualität und Datensicherheit rücken auf Top-Position der CFO-Agenda vor“, in: haufe.de, online veröffentlicht am 25.07.2019, URL: https://bit.ly/2qwt3lA, Stand: 07.11.19.

[11] Vgl. Fabrizio Russi, Matteo Salis, Ardi Sopi, Tobias Stierli, Lukas Wallimann, „Szenarioanalyse“, in: Controlling-Wiki, URL: https://bit.ly/2oR2XcC, Stand: 07.11.19.